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GPS Luchs Telemetrie im Nationalpark Bayerischer Wald
Die Rolle des Luchses im Bergwaldökosystem
    

Nationalpark

Bayerischer Wald

 

 

Sumava Nationalpark

letzte Aktualisierung: 26 April 2005

von

Marco Heurich, Hans Kiener

und

Luděk Bufka

 

Einleitung

Ausgehend von einer genehmigten Freilassung von 17 Tieren im Bereich des heutigen Nationalparks Sumava schickt sich der Luchs seit Anfang der 90iger Jahre erfolgreich an, sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet entlang des Grenzkamms wieder zu besiedeln. Die großräumig und grenzüber- greifend agierende Waldkatze gilt inzwischen als Symbolfigur für die größte zusammenhängende Waldlandschaft Mitteleuropas und fungiert als Werbeträger für eine attraktive Urlaubsregion. Nach einer sehr euphorischen Phase der Bestandsentwicklung um Mitte der 90iger Jahre zeigt die Entwicklung der Luchspopulation in den letzten Jahren eher rückläufige Tendenzen.

Die beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Böhmerwald stellen aktuell den Kernlebensraum und das Zentrum der Verbreitung des Luchses dar, in dem er auch den nötigen Schutz findet und regelmäßig für Nachwuchs sorgt. Die beiden Nationalparkverwaltungen sehen es deshalb im Rahmen einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit als eine der Kernaufgaben des Naturschutzes und der Forschung an, den Bestand dieser Tierart mit ihrem hohen Symbolwert dauerhaft zu sichern.

Durch einer verbesserte Koordination des terrestrischen Monitorrings im Winterhalbjahr (Spurenkontrolle bei Neuschnee) und zeitnahe gegenseitige Information über die Resultate der Kontrollmaßnahmen sollen brauchbare Grundlagen zur Abschätzung des Bestandes, zur Feststellung von Reproduktion und zur Größe des aktuellen Verbreitungsgebiets gewonnen werden.

Darüber hinaus soll die grenzübergreifende Erforschung der Raumnutzung von Luchsen im aktuellen Zentrum ihrer Verbreitung in Ostbayern sowie die Rolle dieser Tierart im Bergwaldökosystem (Räuber-Beute-Beziehung Reh - Luchs) beidseits der Grenze in den nächsten Jahren einen Schwerpunkt bilden. Hierzu sollen, basierend auf den Ergebnissen der satellitengestützten Rotwildtelemetrie, auch bei der Luchsforschung neue Wege zu beschritten werden. Nach der erfolgreichen Entwicklung eines ausreichend leistungsfähigen und gleichzeitig leichten GPS-Senderhalsbands gelang es Anfang März 2005 erstmals, an einem erwachsenen Luchsmännchen, die satellitengestützte Telemetrie erfolgreich zu testen. Dabei können die von einem GPS-Satelliten gepeilten Aufenthaltsdaten zu einem beliebigen Zeitpunkt und gewünschter Häufigkeit per SMS abgerufen werden und für etwa erforderliche Management- und Schutzmaßnahmen gezielt ausgewertet und genutzt werden. Von den angestrebten Peilungen konnten bisher im Durchschnitt 34% realisiert werden.

     

Projektablauf

Um die GPS-GSM Technik (Abbildung 1) am Luchs zu testen sollen zunächst 2 Kuder mit den Sendern ausgestattet werden. Nach erfolgreichem Abschluß der Pilotphase ist geplant, in einem grenz- überschreitend angelegten Projekt mehrere Luchse  auf beiden Seiten der Grenze zu besendern. Zusätzlich soll anhand von mit gleicher Technik ausgestattetenRehen die Interaktion zwischen Rehen und Luchsen in einem der großräumig natürlichen Entwicklung überlassenen Bergwaldökosystem untersucht werden.

 

Abbildung 1: Funktionsprinzip der GPS Halsbandsender:  Die Position des Luchses wird über GPS-Satelliten bestimmt. Anschließend sendet der Luchs eine SMS an die Forscher, die anschließend seinen Aufenthaltsort am PC  darstellen können (Autor: Rösner)

 

Erster Luchs gefangen

In der Pilotphase wurde bisher ein Luchs, der auf den Namen Milan getauft wurde besendert. Der Kuder mit einem Gewicht von 22,5 kg wurde am 7.3.2005 mit einem GPS-GSM-Sender ausgestattet (Abbildung 2).  Das Tier war zuvor in das Luchsgehege des Nationalparks gesprungen und wollte dem dort ansässigen Weibchen während der Ranzzeit einen Besuch abstatten.

 

Abbildung 2: Bild des Luchskuders Milan nach der Besenderung. Das Tier ist drei Jahre alt und wiegt 22,6 kg (Photo: Burkhart)

 

In den ersten 42 Tagen legte das Tier eine Strecke von 261 km zurück, was im Durchschnitt 6,21 km je Tag entspricht. Das bisher ermittelte Homerange beträgt 33400 ha (MCP) bzw. 21770 ha (Kernel 95%).

Auffällig ist die sternförmige Nutzung des Streifgebietes. Von einem relativ kleinen Kernlebensraum (2106 ha Kernel 50%) unternimmt Milan weite Wanderungen von bis zu 20 km in einer Nacht um Rehe zu erbeuten. Nach Nutzung des Risse kehrt er dann wieder in diesen Kernbereich zurück (Abbildung 3).

 

Abbildung 3: Aufenthaltorte des Luchses Milan in chronologischer Reiehnfolge verbunden

Durch den Einsatz der neuen Sender ist es auch möglich die Risse des Tieres mit einem GPS-Empfänger zielgenau aufzufinden. Aus den bisherigen Erfahrungen ergeben sich die folgenden Vorteile gegenüber der herkömmlichen Telemetrie:

  • Kosteneinsparung (5 € statt 100 Euro pro Peilung)
  • Verbesserung der Genauigkeit der Daten( Lagequalität 15 statt 100m)
  • Überwachung des Tieres zu allen Tages- und Nachtzeiten möglich (alle 2 – 4 Stunden)
  • Keine Störung der Tiere im Gelände
  • Das Betreten fremder Grundstücke ist nicht nötig
  • Sofortiges Verarbeiten der Daten mittels Geo-Informationssystem der Nationalpark-
       verwaltung ohne Zwischenschritte möglich
  • Wir "bleiben dem Luchs auf der Spur", auch wenn er kurzfristig seinen Aufenthaltsort
       großräumig verlegt

 

Projektziele

1. Vorrangiges Ziel ist es, mit Hilfe tierschutzgerechter modernster Kommunikationstechnologie möglichst präzise, störungsfrei und zeitnah Daten zur Raumnutzung des Luchses und zur Räuber Beute-Beziehung Reh - Luchs in einem großräumigen und der natürlichen Entwicklung überlassenen Bergwaldökosystem zu erheben. Die Ergebnisse sollen zusätzliche fundierte Erkenntnisse über mögliche Einflüsse des zurückgekehrten Prädators auf seine wichtigsten Beutetiere bringen und damit die Diskussion mit der Jägerschaft weiter zu versachlichen helfen. 

2. Ferner soll über die gleichzeitige Besenderung von Rehen (je 10 in beiden NP`en) und Luchsen (je 3 in beiden NP`en) analysiert werden, wie sich das Verhalten der Rehe in Abhängigkeit vom Aufenthaltsort des Luchses ändert. Bei der mit dem GPS-Einsatz höheren Informationsdichte lassen sich zudem innerhalb des Luchs-Streifgebietes Gebiete mit unterschiedlicher Aufenthaltswahrscheinlichkeit definieren. Dort könnte durch eine gezielte Erfassung des Verbisses der Waldverjüngung auch diese in die Studie einbezogen werden. Somit scheint eine Analyse des komplexen Systems Luchs-Reh-Waldverjüngung im nachfolgenden Hauptprojekt greifbar.

3. Neue Erkenntnisse erwarten wir auch über die Streifgebietsnutzung erwachsener Tiere. Durch Besenderung benachbarter Kuder soll die in Fachkreisen weiterhin umstrittene ausschließliche Territorialität untersucht werden.  Da viele Ausflüge der Tiere mit den konventionellen Methoden (siehe Rotwildprojekt der NPV) nicht erfasst werden können, ist zu erwarten, dass die GPS-Telemetrie helfen wird, diese Frage zu beantworten.

4. Mit Hilfe der präzisen GPS-Daten soll eine Parametrisierung der Ergebnisse der seit 10 Jahren im Gebiet des Nationalparks  terrestrisch durchgeführten Abspüraktionen vorgenommen werden, um eine Verbesserung des künftigen Luchsmonitorings zu erzielen.

5. Nicht zuletzt wird davon ausgegangen, dass mit einer möglichst präzisen, zeitnahen undkontinuierlichen Erfassung der jeweiligen Aufenthaltsorte des Luchses eine Verbesserung der Schutzmaßnahmen gegen illegale Abschüsse - wenigstens der besenderten Tiere - erreicht werden kann.

 

 

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